Hawaii vorbei

Eine Woche Hawaii / Unterer Wartberg mit dem Heimatlabor

Das erste, was wir bei unserer Ortrecherche über diesen Stadtteil gehört hatten, war eine Aussage im Stadtarchiv: „Ins Hawaii gehe ich nicht“. Das verbreitete  Image vom Angstraum, ein Hauch von No-Go-Area einer urbanen Großstadt.
Das Klischee hält nicht stand, als  wir uns mit offener Neugierde in diesen Stadtteil hineinbegeben: Hier leben Menschen. Menschen, die mit uns offene, herzliche Gespräche führen, uns in ihre Welt einladen, Menschen, die stolz auf ihr Leben sind und zu ihrem Stadtteil als Lebensraum stehen.

Anders als in der Schanz ist der Kampf um eine lebenswerte Umgebung aber spürbarer: Ein Kampf gegen Lärm, Dreck und Ausgrenzung. Das Bild der Vernachlässigung, das so oft den Bewohnern als negatives Image angelastet wird, hat seine Ursachen nicht zuletzt in der Vernachlässigung städtischer Verantwortung.

Unsere Gespräche im Hawaii und am unteren Wartberg waren Reisen in sehr unterschiedliche Welten: Zu Ureinwohnern und zu den aus Heilbronn, der Türkei, dem Irak, aus Syrien, Griechenland, Italien und Rumänien Zugezogenen; zu Grenzformen des Wohnens in Asylbewerberheim,  Obdachlosenheim, Mehrgenerationenhaus und Wohnwagen.

Menschen, die seit der Kindheit in diesem Stadtteil wohnen, berichteten mit grosser Akzeptanz über das Zusammenleben mit den „neuen“ Bewohnern.
Eine Ureinwohnerin erzählt, ihre liebste Nachbarin sei eine arabische Frau. Und sie schätzt  sie so sehr, weil sie Kinder hat. Wie trostlos wäre eine Umgebung ohne Kinder! Eine Bewohnerin des neuen Mehrgenerationenhauses beklagt hingegen, dass dessen Konzept bisher nicht aufgeht. Sie hatte sich ein altersdurchmischtes, lebendiges Haus gewünscht, doch nun wohnen hier viele alte Menschen, die den Lärm von Kindern fürchten.
Ein Leben mit Kindern im Hawaii ist allerdings nicht einfach. Es gibt keine sauberen Spielplätze und Grünflächen, ein Park ist fußläufig nicht erreichbar. Kinder sind wohl am stärksten betroffen von einem städtischen Raum, der sich selbst überlassen ist.

Ein Gespräch im Garten einer kurdischen Familie brachen wir wegen eines Missverständnisses ab. Die Mutter dachte, wir seien ausschließlich gekommen,  um ihre Beschwerden anzuhören. Zusammen mit aufgebrachten Nachbarinnen beklagte sie den vermüllten Zustand von Christoph- und Kreuzenstraße. Als wir sie über ihr persönliches Wohnen befragten, erklärte sie irritiert, in ihrer Wohnung gäbe es keine Probleme.

Insgesamt haben wir hier 15 lange Gespräche geführt, oft in Verbindung mit einer gastfreundlichen Einladung nachhause. Dazwischen unzählige Gespräche mit Besuchern des Heimatlabors am Industrieplatz.

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